Vitamin K2: Das vergessene Vitamin, das deine Knochen und dein Herz schützt
Wenn du an Vitamin K denkst, denkst du wahrscheinlich an Blutgerinnung. Und ja, Vitamin K spielt dabei eine wichtige Rolle. Aber da steckt weit mehr dahinter. Denn Vitamin K ist keine einzelne Substanz, sondern eine Familie verwandter Verbindungen, und eine davon verdient besondere Aufmerksamkeit: Vitamin K2. Dieses Vitamin ist eines der am meisten unterschätzten Nährstoffe überhaupt, und gleichzeitig eines der wichtigsten für langfristige Gesundheit.
Was ist Vitamin K2 und warum ist es nicht dasselbe wie K1?
Vitamin K1 (Phyllochinon) findest du in grünem Blattgemüse wie Spinat, Grünkohl und Brokkoli. Es wird hauptsächlich in der Leber verwendet und spielt die bekannte Rolle bei der Blutgerinnung.
Vitamin K2 (Menachinon) hingegen hat eine völlig andere Funktion und eine völlig andere Herkunft. Es kommt in tierischen Produkten und fermentierten Lebensmitteln vor und wird in ganz anderen Geweben eingesetzt: vor allem in Knochen, Blutgefäßen und Weichgewebe. Die zwei bekanntesten Formen sind MK-4 (überwiegend in tierischen Produkten) und MK-7 (überwiegend in fermentiertem Soja, dem sogenannten Natto).
Der entscheidende Unterschied: Vitamin K2 aktiviert Proteine, die Kalzium dorthin leiten, wo es hingehört, und es fernhalten, wo es nichts zu suchen hat.
Die zwei wichtigsten Proteine, die Vitamin K2 aktiviert
Um die Wirkung von Vitamin K2 wirklich zu verstehen, muss man zwei Proteine kennen.
Das erste ist Osteocalcin. Es wird von Osteoblasten (knochenaufbauenden Zellen) produziert und ist dafür verantwortlich, Kalzium in die Knochenmatrix einzubauen. Ohne ausreichendes Vitamin K2 bleibt Osteocalcin inaktiv, und Kalzium kann den Knochen nicht richtig aufbauen, selbst wenn genug davon im Blut vorhanden ist.
Das zweite ist das Matrix-Gla-Protein (MGP). Es ist das stärkste bekannte Hemmprotein für Gefäßverkalkung. Wenn MGP durch Vitamin K2 aktiviert wird, verhindert es, dass sich Kalzium in den Arterienwänden ablagert. Eine unzureichende K2-Versorgung lässt MGP inaktiv, und Kalzium kann sich in den Gefäßen ansammeln, mit potenziell ernsthaften Folgen für das Herz-Kreislauf-System.
Vitamin K2 und Knochengesundheit
Zahlreiche Studien belegen einen direkten Zusammenhang zwischen Vitamin K2 und der Knochen- und Gelenkgesundheit. In einer kontrollierten Studie, die in der Fachzeitschrift Osteoporosis International veröffentlicht wurde, zeigte sich, dass eine Supplementierung mit MK-7 die Knochendichte bei postmenopausalen Frauen signifikant verbesserte. Das ist besonders relevant, da die Östrogenabnahme in diesem Lebensabschnitt die Knochen besonders anfällig macht.
Vitamin K2 arbeitet dabei Hand in Hand mit Vitamin D3 und Kalzium. Während Vitamin D3 die Kalziumaufnahme aus dem Darm fördert, sorgt K2 dafür, dass dieses Kalzium tatsächlich in die Knochen gelangt und nicht im Blut oder in Weichgewebe landet. Wer Vitamin D3 und Kalzium supplementiert, aber kein K2 dazu nimmt, könnte unbeabsichtigt Arterienverkalkung fördern, weil das aufgenommene Kalzium nicht korrekt eingesetzt wird.
Vitamin K2 und das Herz-Kreislauf-System
Die sogenannte Rotterdam-Studie, eine groß angelegte niederländische Beobachtungsstudie, untersuchte über 4.800 Teilnehmer über einen Zeitraum von 10 Jahren. Das Ergebnis war eindeutig: Menschen mit der höchsten Zufuhr von Vitamin K2 hatten ein deutlich geringeres Risiko für Herzerkrankungen und Aortenverkalkung als diejenigen mit der niedrigsten Aufnahme. Interessanterweise galt dieser Effekt nicht für Vitamin K1.
Weitere Forschungsarbeiten bestätigen, dass eine ausreichende K2-Versorgung das Risiko für Arteriosklerose senkt. Das inaktive MGP ist einer der besten Marker für Kalziumablagerungen in den Gefäßen, und Vitamin K2 ist der einzige bekannte Nährstoff, der MGP direkt aktiviert.
Wo steckt Vitamin K2?
Hier liegt das eigentliche Problem: Vitamin K2 ist in der modernen westlichen Ernährung so gut wie gar nicht vorhanden. Die reichhaltigsten Quellen sind:
Tierische Innereien, insbesondere Rinderleber und Rinderniere, gehören zu den konzentriertesten natürlichen K2-Quellen in Form von MK-4. Das liegt daran, dass Weidetiere K1 aus dem Gras aufnehmen und im Körper in MK-4 umwandeln. Grasgefütterte Tiere haben dabei deutlich höhere K2-Werte als solche aus konventioneller Haltung.
Weitere nennenswerte Quellen sind Eigelb von Freilandhennen, fetter Käse (besonders aus Rohmilch), Butter von Weidetieren sowie Natto (fermentiertes Soja), das mit Abstand die höchste MK-7-Konzentration aufweist.
Für die meisten Menschen, die keine regelmäßigen Konsumenten von Innereien oder Natto sind, ist eine adäquate K2-Versorgung allein über die normale Ernährung schwierig.
Wer ist besonders gefährdet?
Menschen, die wenig oder keine tierischen Produkte essen, laufen Gefahr, zu wenig K2 aufzunehmen. Das Gleiche gilt für ältere Menschen, da die Umwandlung von K1 in K2 im Körper mit dem Alter abnimmt. Auch wer regelmäßig Antibiotika einnimmt, kann betroffen sein, da diese die Darmflora stören, die ebenfalls einen kleinen Beitrag zur K2-Produktion leistet.
Hinzu kommt, dass fettarme Ernährungsweisen die Aufnahme von K2 hemmen. Als fettlösliches Vitamin benötigt K2 Nahrungsfett, um aus dem Darm absorbiert zu werden.
Vitamin K2 und tierische Ergänzungsmittel auf Organbasis
Gefriergetrocknete Rinderorgane, insbesondere Leber, sind eine natürliche und bioverfügbare Quelle für MK-4. Da die MK-4-Form direkt in tierischen Geweben gespeichert wird, profitieren Menschen, die regelmäßig Rinderorgane oder hochwertige Organpräparate zu sich nehmen, von dieser Nährstoffform in der Art und Weise, wie die Natur es vorgesehen hat. Kein synthetisches Isolat, sondern ein Nährstoff eingebettet in den vollständigen Ernährungskontext des Lebensmittels, gemeinsam mit Hunderten weiterer Cofaktoren.
Das Zusammenspiel mit anderen Nährstoffen
Vitamin K2 wirkt nicht allein. Es ist Teil eines faszinierenden Netzwerks fettlöslicher Vitamine:
Vitamin D3 erhöht die Kalziumaufnahme im Darm und stimuliert die Produktion von Osteocalcin und MGP. Vitamin K2 aktiviert anschließend diese Proteine. Zusammen sind sie weit wirksamer als jedes einzelne Vitamin für sich.
Vitamin A wiederum unterstützt die Produktion von Vitamin-K-abhängigen Proteinen und arbeitet ebenfalls synergistisch mit D3 und K2. Organ meats liefern alle drei Vitamine gleichzeitig, was einen weiteren Vorteil vollständiger Nahrungsquellen gegenüber synthetischen Einzelpräparaten darstellt.
Fazit: Ein kleines Vitamin mit großer Wirkung
Vitamin K2 ist einer jener Nährstoffe, dessen Bedeutung lange unterschätzt wurde, weil man ihn mit K1 verwechselte. Die Forschung der letzten zwei Jahrzehnte hat jedoch ein klares Bild gezeichnet: K2 ist unverzichtbar für Knochen, Herz und Gefäße, und die meisten Menschen bekommen zu wenig davon.
Die gute Nachricht ist, dass die Natur dieses Problem bereits gelöst hat, lange bevor es Nahrungsergänzungsmittel gab. Weidetiere speichern MK-4 in ihren Organen, insbesondere in der Leber. Wer diese Nahrungsquellen regelmäßig in seine Ernährung integriert, sei es durch das Kochen mit Innereien oder durch hochwertige Organpräparate, gibt seinem Körper genau das, was er braucht, in der Form, die er am besten verarbeiten kann.
Referenzen:
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